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Generation Remote-los: Wenn Gen Alpha keine Fernbedienung mehr kennt

Autorenbild: Judith Heit
Judith Heit
vor 10 Stunden
3 Min. Lesezeit

Immer wieder lese ich von Kindern der Gen Alpha, die ganz einfache Dinge noch nicht können. In einer Welt, in der sich alles um Einfachheit und Bequemlichkeit dreht, habe ich selbst viele Abläufe mit meinen Kindern vereinfacht, die uns zu viel Zeit und Nerven gekostet haben. Zum Nachteil der Kinder, denn sie lernen manche Dinge deutlich später, die wir schon zwei bis drei Jahre früher beherrschten.



Es fängt bei der Entscheidung an, Klettschuhe zu kaufen. Mein Kind kann seine Schuhe selbstständig anziehen und schließen. Ist das nicht wunderbar? Doch ich sehe immer mehr Schulkinder, die noch immer Klettschuhe tragen. Die Wahrheit ist: Die meisten wissen nicht einmal, wie man eine Schleife bindet. Wir hatten Glück. Mit etwa fünf Jahren haben meine Tochter und ich das Schleifenbinden geübt, und sie fand es spannend genug, um dranzubleiben. Mit sechs hatte sie es perfekt drauf. Es dauert zwar meist etwas länger, aber sie kann es. Ich bin sehr stolz auf sie und auf ihren Willen, das zu lernen. Gleichzeitig frage ich mich: Sollte das nicht eigentlich selbstverständlich sein, etwas, das man einfach voraussetzen kann?


Meine Kinder haben von mir schon recht früh ein iPad bekommen. Und bevor jetzt die Klagen losgehen, ob das nicht viel zu früh sei und wie schlimm es ist, Kindern Medien vorzusetzen: Ich möchte meinen Standpunkt kurz verteidigen. Ich bin oft, sehr oft, allein mit den beiden Kids und muss nebenbei Haushalt und Kochen stemmen, am liebsten in einem Tempo, bei dem alles schon vor fünf Minuten fertig war. Dabei brauchen mich meine Kinder ständig für irgendetwas. Wirklich irgendetwas: Die Socke ist runtergerutscht, die Tür geht nicht auf, das Spielzeug ist unauffindbar. Also ja, Nanny iPad hilft mir, die Kinder für eine kurze Zeit zu beschäftigen. Und übrigens: Ich bin in den 80ern geboren, und bei uns lief den ganzen Tag der Fernseher. Meine Kinder schauen 30 bis 45 Minuten am Tag, das war's. Ich selbst habe als Kind vermutlich stundenlang vor dem Bildschirm gesessen und mich trotzdem ganz normal entwickelt.


Aber worauf ich eigentlich hinauswill: Meine Kinder, typische Vertreter der Gen Alpha, können ein iPad zum Teil schon ganz gut bedienen, aber keine Fernbedienung. Das war vermutlich eines der ersten technischen Dinge, die ich als Kind sofort konnte. Ein- und ausschalten, Programme wählen, alles ein Kinderspiel. Für meine Kinder dagegen: komplette Überforderung. Natürlich hilft es, wenn man schon lesen kann, aber selbst in den 80ern waren auf den Fernbedienungen Symbole aufgedruckt, um es einem leichter zu machen.



Interessanterweise erlebe ich das bei ähnlichen Dingen immer wieder, sobald eine Fernbedienung im Spiel ist. Selbst das ferngesteuerte Auto kann nicht richtig bedient werden, weil man zwei bis drei Knöpfe gleichzeitig drücken muss. Der Gameboy, das tragbare Spielsystem meiner Kindheit, ist für meine Kinder viel zu komplex. Mehrere Knöpfe? Keine Ahnung. Auf der Kinderkamera meiner Tochter sind sogar Tetris und Snake installiert, die Spiele unserer ersten Handys. Doch sie benutzt maximal den Auslöser für Fotos. Den Rest, vor allem das Ein- und Ausschalten, überlässt sie mir.


Manchmal frage ich mich, ob die Gen Alpha all diese Dinge heute überhaupt noch können und verstehen muss. Vielleicht lautet die Antwort Nein, denn wir haben alles dafür getan, dass sie auch im Erwachsenenalter keine Rolle mehr spielen. Aber sollten wir irgendwann an den Punkt kommen, an dem die KI die Oberhand gewinnt, wird es Generationen dauern, wieder Menschen heranzuziehen, die die Grundlagen des Lebens kennen und schlau genug sind, die KI auszuschalten. Den Knopf mit dem Symbol zu finden. Das wird für die Gen Alpha und alle, die nach ihr kommen, eine echte Herausforderung.

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