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Die Färöer-Inseln mit Kleinkind: Eine Reise zwischen Nebel, Wind und unvergesslichen Momenten

  • Autorenbild: Judith Heit
    Judith Heit
  • vor 12 Minuten
  • 5 Min. Lesezeit

Warum die Färöer? Warum jetzt?

Im April 2022 erfüllten wir uns einen lang gehegten Traum: Eine Reise zu den Färöer-Inseln, dieser mystischen Inselgruppe im Nordatlantik, die mit ihrer dramatischen Berglandschaft und unberührten Natur schon so lange auf unserer Bucket List stand. Mit dabei: unsere zweijährige Tochter, reichlich warme Kleidung und die Gewissheit, dass wir diese Reise jetzt machen mussten – oder noch viele Jahre warten würden.


Denn seien wir ehrlich: Die Färöer sind ein Naturparadies, aber kein klassisches Familienziel mit Spielplätzen und Kinderattraktionen. Mit unserem zweiten Kind wäre diese Reise heute kaum denkbar. Aber damals, mit nur einer Zweijährigen, war es möglich – wenn auch mit Kompromissen.


Und bereut haben wir es keine Sekunde. Die Färöer gehören bis heute zu den wunderbarsten Reisen, die wir je gemacht haben.


Was uns erwartete: Wetter, Wind und Wasserfälle

April auf den Färöern bedeutet: Regen, Wind und noch mehr Regen.

Die Sonne zeigte sich nur sporadisch, dafür präsentierten sich die Inseln in ihrem typischen Gewand aus tiefhängenden Wolken, Nebelschwaden und dramatischen Lichtstimmungen. Der Wind blies oft so heftig, dass mein Mann bei einem Drohnenflug beinahe sein Equipment verloren hätte – er rettete es gerade noch rechtzeitig.


Die wichtigste Lektion? Immer gut einpacken und in Schichten kleiden. Wasserdichte Jacken, warme Pullover und festes Schuhwerk sind Pflicht. Und ja, man wird nass werden. Aber genau das gehört zum Charme der Färöer: die ungezähmte Natur, die Schafe, die im Regen grasen, und die zahllosen Wasserfälle, die sich von den Klippen in die Tiefe stürzen.


Ausblick Farör Inseln

Unterkunft: Hotel Brandan in Tórshavn

Wir übernachteten im Hotel Brandan in Tórshavn, der Hauptstadt der Färöer. Das Hotel war modern und optisch ansprechend – allerdings gab es einige Herausforderungen, die man als Familie kennen sollte.


Zunächst bekamen wir das falsche Zimmer zugewiesen, und das Kinderbett mussten wir erst nachträglich anfragen. Das Zimmer selbst war recht eng für drei Personen, aber das ist auf den Färöern nicht ungewöhnlich – großzügige Familienhotels gibt es hier schlichtweg nicht. Die Heizung ließ sich kaum regulieren und es wurde nachts sehr warm. Praktische Details wie ausreichend Handtuchhaken, ein Wasserkocher oder ein größeres Waschbecken fehlten.


Auch das Frühstück war überschaubar: nur Filterkaffee, eine begrenzte Auswahl, die schnell leer wurde, und das Nachfüllen dauerte oft länger als erhofft. Zudem gab es keine Tischbedienung. Was uns besonders fehlte, waren Tipps vom Personal zu Sehenswürdigkeiten oder praktischen Infos für die Umgebung.


Trotz dieser Abstriche erfüllte das Hotel seinen Zweck als Basis für unsere Erkundungstouren. Wer mit Kindern reist, sollte die Erwartungen anpassen und sich auf das Wesentliche konzentrieren: die atemberaubende Natur da draußen.


Unsere Route: 7 Tage voller Eindrücke

Mit einer Zweijährigen waren lange Wanderungen nicht drin. Sie war nicht besonders wanderfreudig, und auf den oft nassen, rutschigen und matschigen Wegen musste ich ständig aufpassen, dass sie nicht ausrutschte. Mit ihren knapp 12-13 Kilo konnte ich sie auch nicht stundenlang in der Rückentrage schleppen.


Unser Modus operandi wurde daher: kurze Stopps, spektakuläre Aussichtspunkte vom Auto aus genießen, und wenn möglich kurze Spaziergänge zu den Highlights. Mein Mann nutzte diese Stopps intensiv für Drohnenaufnahmen – und die Ergebnisse sind atemberaubend.


Tag 1: Saksun und Tjørnuvík

Unser erster Ausflug führte uns nach Saksun, einem der fotogensten Orte der Färöer. Das kleine Dorf liegt in einem Talkessel, umgeben von steilen Bergen, mit einer Lagune, die bei Ebbe fast verschwindet. Die traditionellen Rasendachhäuser und die dramatische Kulisse machten diesen Ort zu einem absoluten Highlight.


Weiter ging es nach Tjørnuvík an der Nordküste, einem charmanten Fischerdorf mit schwarzem Sandstrand und Blick auf die markanten Felsformationen Risin und Kellingin – der Legende nach ein Riese und eine Riesin, die zu Stein erstarrten.


Färöer-Inseln
Färöer-Inseln
Färöer-Inseln

Tag 2: Gásadalur und Tórshavn

Gásadalur war lange Zeit nur zu Fuß oder per Helikopter erreichbar, bis 2004 ein Tunnel gebaut wurde. Das winzige Dorf ist vor allem für den Múlafossur-Wasserfall bekannt, der direkt ins Meer stürzt – eines der bekanntesten Motive der Färöer.


Färöer-Inseln

Hier schafften wir tatsächlich eine längere Wanderung mit unserer Kleinen! Die Landschaft war so beeindruckend, dass sogar unsere Zweijährige motiviert blieb. Der Anblick des Wasserfalls bei wind- und regenumtostem Himmel war schlichtweg magisch – einer jener Momente, die man nicht vergisst.


Den Nachmittag verbrachten wir in Tórshavn, schlenderten durch die Altstadt Tinganes mit ihren bunten Holzhäusern und genossen die entspannte Atmosphäre der kleinen Hauptstadt.


Färöer-Inseln

Tag 3: Funningur und Gjógv

Funningur liegt malerisch am Fjord und bietet wunderbare Ausblicke auf die umliegenden Berge. Hier gelang uns eine weitere längere Wanderung mit unserer Tochter – vielleicht lag es an der weniger steilen Landschaft oder daran, dass sie an diesem Tag besonders gut gelaunt war. Auf jeden Fall gehörte diese Wanderung zu den schönsten Momenten der Reise.


Färöer-Inseln
Färöer-Inseln mit Kinder

Von hier führte uns die Route nach Gjógv, einem der bezauberndsten Dörfer der Färöer. Der Name bedeutet "Schlucht" und bezieht sich auf die natürliche Felsschlucht, die als Hafen dient. Hier begnügten wir uns wieder mit einem kurzen Spaziergang und vielen Fotos.


Färöer-Inseln

Tag 4: Klaksvík, Hálsur, Klakkur und Muli

Ein langer Tag mit viel Autofahrt stand bevor. Klaksvík, die zweitgrößte Stadt der Färöer, diente als Ausgangspunkt für weitere Erkundungen.

Die Fahrt nach Hálsur führte über eine Baustellenstrecke – abenteuerlich, aber machbar. Klakkur, der Hausberg von Klaksvík, bietet angeblich einen der spektakulärsten Ausblicke der Inseln, allerdings war die Wanderung mit unserer Kleinen nicht zu schaffen.


Färöer-Inseln

Muli erreichten wir über eine Offroad-Strecke – holprig, schmal und nichts für schwache Nerven, aber die Abgeschiedenheit und Ruhe dort waren unbezahlbar.


Färöer-Inseln
Färöer-Inseln

Tag 5: Lake Leitisvatn (Sørvágsvatn)

Der Leitisvatn ist der größte See der Färöer und gleichzeitig eine optische Täuschung: Von bestimmten Winkeln sieht es aus, als läge der See hoch über dem Meer, obwohl er tatsächlich nur wenige Meter darüber liegt. Die Wanderung zum berühmten Aussichtspunkt war mit Kind herausfordernd, aber die Perspektive auf See, Wasserfall und Ozean war jede Mühe wert.

Färöer-Inseln
Färöer-Inseln

Tag 6: Kirkjubøur und Tórshavn

Kirkjubøur ist das historische und kulturelle Herz der Färöer. Hier stehen die Ruinen der Magnus-Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert, die Ólav-Kirche (eine der ältesten noch genutzten Kirchen Skandinaviens) und das Königsbauernhaus Kirkjubøargarður, das seit dem 11. Jahrhundert bewohnt ist.


Färöer-Inseln
Färöer-Inseln

Den Nachmittag verbrachten wir wieder in Tórshavn, ließen die Eindrücke der Woche Revue passieren.


Tag 7: Naturkundemuseum und letzte Drohnenflüge

Am letzten Tag besuchten wir das Naturhistorische Museum in Tórshavn – eine nette Abwechslung, besonders für unsere Tochter. Mein Mann nutzte die verbleibende Zeit noch einmal für Drohnenaufnahmen und hielt die raue Schönheit der Inseln aus der Vogelperspektive fest.


Fazit: Eine Reise fürs Herz

Die Färöer-Inseln sind kein einfaches Reiseziel mit Kleinkindern. Es gibt wenig Infrastruktur für Familien, das Wetter ist unberechenbar, und lange Wanderungen sind kaum möglich. Aber: Die Landschaft ist so atemberaubend, die Ruhe so wohltuend und die Erfahrung so einzigartig, dass wir bis heute dankbar sind, diese Reise gemacht zu haben.


Würde ich es heute mit zwei Kindern noch einmal machen? Wahrscheinlich nicht. Aber damals, im April 2022, war es genau die richtige Entscheidung. Und die Erinnerungen – und die Drohnenaufnahmen – werden uns für immer bleiben.


Meine Tipps für Familien mit Kleinkindern:

  • Plant kurze Stopps statt lange Wanderungen ein

  • Packt Tragerucksack und warme, wasserdichte Kleidung für alle ein

  • Seid flexibel – das Wetter bestimmt oft die Tagesplanung

  • Senkt die Erwartungen an die Unterkunft, konzentriert euch auf die Natur

  • Nutzt Viewpoints, die mit dem Auto erreichbar sind

  • Macht viele Fotos – die Erinnerungen sind Gold wert

  • Geht die Reise an, solange ihr noch die Energie und Flexibilität dafür habt


Die Färöer sind rau, wild und wunderschön. Genau wie diese Reise mit unserer Zweijährigen.

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